10:00 Uhr: Santiago de Chile . Eine tolle Stadt. Wir kreuzen zwischen modernsten, (aber) hübschen Glastürmen und spanischen Kolonialbauten. Santiago erscheint sehr locker bebaut, ringsum schimmern die nahen Schneegipfel der Anden durch den Smog. Der Verkehr tobt. Wir besuchen Daniels Schwester (Mitte 30) und bekommen Kaffee. Das Apartment ist nobelst (Portier, ruhige Lage, super Ausblick). Anschließend Stadtrundgang. Wir nehmen die Metro und fahren ins Zentrum. Geldfassen gelingt nur mit (netter) Hilfe. Daniel muss im Goetheinstitut was erledigen und so stehen wir nach zwei Stunden Chile schon wieder in deutscher Umgebung. Dann geht's ab ins Regierungsviertel und nach kurzer Kontrolle in den Präsidentenpalast. Die umstehenden Ministerien verschwimmen im dreckigen Dunst. Wir nehmen einen Micro-Bus zurück zum Auto und erleben während der Fahrt im Bus nationale Gesanges- und Verkaufskünste. Unsere Chilenischen Begleiter geben bereitwillig. Betti und ich haben mittlerweile blaue Oberarme vom Zwicken – die Massen neuer Eindrücke erscheinen wie ein Traum.

12:00 Uhr: Mit dem Auto rasen wir der Ohnmacht nahe aus der Stadt. An einem Berghang oberhalb der Stadt liegt die (Elite-)Uni von Daniel. So etwas habe ich noch nicht gesehen: Der Bau, der Ausblick, die Umgebung – „Die purpurnen Flüsse“ (Film) lässt grüßen. Wir lassen uns in die „Mensa“ einladen (es gibt Chupe Mariscal, eine Art Brotbrei mit Meeresgetier ) und speisen neben dem Rektor, der die chilenische Verfassung (mit) geschrieben hat und wegen seiner Völkerrechtskenntnisse weltbekannt ist. Daniel trifft einen befreundeten Dozenten der uns auf einen Kaffee einlädt. Wir durchschreiten den am Berghang angelegten Park der Uni und kommen in eine Art Cafeteria. Dort streift mich versehentlich ein Prof und lässt daraufhin ein Entschuldigungsfeuerwerk auf mich los. Ich bin verblüfft. Wir bestellen unseren Kaffee und warten draußen auf der Sonnenterrasse auf dessen Lieferung. PutzfrauEN! huschen diskret herum. Der Blick über Santiago (soweit wegen Smog überhaupt sichtbar) und auf die umliegenden Anden ist fantastisch. Ein Windhauch wirft eine leere Dose von einem Nachbartisch, woraufhin „unser“ Dozent aufspringt und sie in einem Papierkorb wirft. Ich bin beeindruckt. Der Kaffee wird serviert. Wir sprechen über Gott und die Welt (chilenisches Umweltrecht, nahe Reisemöglichkeiten, IBERIA, deutsches Prozessrecht…) und werden zum Skifahren eingeladen – sobald mehr Schnee liegt. Da Daniel noch etwas zu erledigen hat nutzen wir den Computerpool. Weitere Wartezeit verbringen wir im Rektorat in schweren Sesseln unter alten, großen Stadtansichten mittelalterlicher, deutscher! Städte. Wir sind geplättet.

Nun aber ab nach Viña del Mar.